Schneckenhandel

Indelhausen wie auch andere Bereiche der Mittleren Schwäbischen Alb waren eine Art Hochburg des Schneckenhandels, der über Ulm der Donau entlang Wien und Budapest erreichte, aber über den Landweg auch Paris. Den würzigen Kräutern und den klimatischen Bedingungen verdankte die Albschnecke ihren Ruhm als besonders delikates Exemplar ihrer Spezies.

Jeder Gourmet weiß: Je feiner die Kräuter, die eine Schnecke verspeist, und je „reizender“ das Klima, umso leckerer ihr Fleisch. Insbesondere das von sogenannten Herbst- oder Deckelschnecken. Unsere Flurnamen-Recherchen – siehe die historischen Karten in diesem Internet-Auftritt – belegen die Verbreitung und Bedeutung der Schneckenmast, insbesondere durch die Flurnamen „Schneckengärten“ oder auch „Schneckenhau“ und „Schneckenrain“. Ebenso die wenigen Buchführungen, die es zum Schneckenhandel gibt.


Eine Quelle spricht von ca. 50 Tonnen pro Jahr, die im 18. Jhdt. allein von Ulm aus verschifft worden sein sollen. Bei einem Gewicht von 30-40 g pro Schnecke sind dies ca. 1.5 Millionen Schnecken. Die Oberamtsbeschreibung von Münsingen aus dem Jahre 1912 nennt für die Mittlere Alb 25 Schneckenmäster, die 1.25 Mio Schnecken pro Jahr verkauften!

Im Raum Münsingen hatte sich also die Schneckenmästerei besonders konzentriert.
Aus Indelhausen wird berichtet, dass 1910 zwischen 5 und 7 Mark für tausend Stück bezahlt wurden (Heimatbuch Indelhausen, 1974), und ein Händler aus Indelhausen hat in seiner Buchführung für die Winter 1891 und 1892 den Verkauf von ca. 139.000 bzw. 265.000 Schnecken an Klöster und Städte entlang der Donau bis nach Wien dokumentiert. Daher scheint es durchaus angemessen, diesem Handel ein Denkmal in Form eines Schneckenhändlers mit seinem damaligen Transportbehälter, dem Schneckenfäßle, auf der Lauterbrücke in Indelhausen-Weiler zu setzen.

So entzückte Helix pomatia, wie unsere einheimische Weinbergschnecke wissenschaftlich heißt, die Küchenmeister in Italien, Österreich, der Schweiz und dem Elsaß. Klöster übrigens zählten zu den Hauptabnehmern dieser kuriosen wirtschaftlichen Spezialität, denn man durfte sie auch in der Fastenzeit verspeisen.

Die Schnecken wurden bis ins 20. Jahrhundert nach der Eiablage ab dem 25. Juli, dem sog. „Jakobe“, gesammelt, häufig in sehr großen Mengen und eigentlich unkontrolliert. Bis vor kurzem galt in Baden-Württemberg die sogenannte Weinbergschnecken-Verordnung, die das Sammeln seit 1975 weiter eingeschränkt regelte, bis das Sammeln am 28.2.2005 generell verboten wurde.

Danach wurden sie in sogenannten Schneckengärten gefüttert, bis sie sich im Herbst unter Moos und in der Erde der Winterruhe zuwandten und „eindeckelten“, um dann im kühleren Winter verschickt zu werden. Schließlich gab es vor 1910 noch keine ausgeprägte Konserventechnologie, da war die Naturkonserve „Deckelschnecke“ ideal! Wehe aber, die Temperaturen erreichten mehr als ca. 10 Grad plus, dann barst so manches Schneckenfäßchen, bevor es seinen eigentlichen Bestimmungsort erreicht hatte – die Schnecken sprengten erst ihren eigenen Deckel, und dann das ganze Faß…
 

„Mei Vaddr hot no Schnegga züchtet, i
nemme, ond d’bei ben i au scho
achzge. Abr wenn i welle kriaga kaa,
no eß i glei zwanzg, dreißg Stuck. Nur
fädde Herbschd-schnegga. Weil,
wissed Se, dia schmegged
overgleichlich… Ned so wia die
magere Frühjohrs-schnegga, wo mr in
de Gaschdhaiser kriagd. Abbr, mit
dene Herbschd-schnegga kennt mr
scho a guats Geld macha, zwoi, drei
Mark s’Stuck…“

Von der Einzigartigkeit des Geschmack der Albschnecken mag auch folgendes Zitat (um 1990) Zeugnis geben (aus: Das Große Lautertal, Messow (Hrsg.), 1991, S. 24):

Weitere Informationen zum Schneckenhandel in Indelhausen

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